Die Leipziger Volkszeitung ist ja ohnehin ein Käseblatt vor dem Herrn.
Das sprachliche Niveau liegt irgendwo zwischen Seniorenheimbetreuer und Journalistikstudent kurz vor dem ersten Semester. Leider ist das die einzige Lokalnachrichtenquelle am Ort (und das in einer Gerne-Großstadt), die andere hat nur vier Buchstaben, entsprechend dünn ist die Faktenlage und der Fokus der “Informationen”. Hinzu kommt, daß dem Verlag mit der vierbuchstabigen Zeitung auch 50% der LVZ gehören.
Gekauft habe ich mir die schon lange nicht mehr. Aber jeden Morgen online kurz drüberfliegen, um ein grobes Stimmungsbild “im Ort” zu bekommen, kann ja nicht schaden.
Jetzt haben die Jungs in der Vorstandsetage was von “ePaper” gehört, und den ganzen Onlineauftritt dahingehend umgebaut. Erstens sieht es furchtbar aus, und ist von der Usability ganz weit unten. Dazu die Macher selbst:
Die Bildschirm-LVZ ist ein Zusatzangebot ohne Zusatzkosten. E-Paper heißt das neue Produkt, zu gut Deutsch elektronisches Schriftstück. Dabei sieht das Produkt aus wie die Papierausgabe und bietet 100 Prozent dessen, was die gedruckte Zeitung enthält – einschließlich der Beilagen wie Journal, Magazin oder Reisemagazin, Leipzig Live oder Allee-Center Aktuell.
…und der Geizgeilwerbung und dem ganzen anderen Schrott, den man bei der Papierausgabe extra in den Papierkorb schüttelt, bevor man mit dem Lesen anfängt. Daß da jemand das Internet vollkommen verstanden hat, beweist dieser Text. Das waren die Leitsprüche 1998.
Soweit nichts ungewöhnliches, eben Dinge, die man von einer Lokalzeitung erwartet. Der wahre Hammer kommt noch: sie wollen tatsächlich Geld dafür. Ab jetzt.
Das war’s dann, LVZ. Selbst ohne web2.0, Internet von heute ist was anderes. Inhalte, für die man bezahlen muß, sollten ihr Geld auch wert sein.
Update: medienrauschen hat es jetzt auch.
Update 2: Aushilfe Knüwer hat sich des Themas angenommen.